Gmürli oder Kokos-Schokoladenwürfel
Den Backofen auf 180° C vorheizen. Eine quadratische Backform (ca. 20×20 cm) mit Backpapier auskleiden. 2 Eier mit 160 g Zucker in einer Schüssel hell und schaumig rühren. 2 EL Kakaopulver dazugeben und kurz unterrühren, dann 2 dl Milch einrühren. 200 g Mehl, 1 gehäufter TL Backpulver und 1 Prise Salz in einer separaten Schüssel vermengen und durch ein Sieb zur Eimasse geben. Alles vorsichtig unterrühren. 140 g Butter in einem Topf schmelzen, etwas abkühlen lassen und unter den Teig rühren, bis eine glatte Masse entsteht. Den Teig in die vorbereitete Form giessen und ca. 35 Minuten backen. Mit der Stäbchenprobe prüfen, ob der Kuchen durchgebacken ist. Währenddessen die Glasur vorbereiten: 35 g Butter schmelzen und mit 140 g Puderzucker, 1 TL Vanillepaste, 1 gehäufter EL Kakaopulver und 4 EL Espresso glatt verrühren. Die Glasur auf den noch warmen Kuchen streichen und mit 40 g Kokosraspeln bestreuen. Den Kuchen in der Form vollständig auskühlen lassen, dann aus der Form heben und in Würfel schneiden. Quelle: Betty Bossi: Erfolgsrezepte gelingsicher seit 1956
Supplement: Elisabeth Gmür, Heilpädagogin aus Nesslau, nahm einst unbezahlten Urlaub und arbeitete als Küchenmädchen in einem Heim. Dort stiess sie in einem Kochbuch auf ein Rezept für Schoggiwürfel aus Milch, Mehl, Zucker und Kakao. Einfach, aber gut. Sie brachte es mit nach Neerach, wo sie später als Primarlehrerin unterrichtete. Seither kennt man das Gebäck dort unter dem Namen «Gmürli», nach ihrem Nachnamen.
Soweit die Überlieferung. Doch woher kam das Rezept eigentlich? Im «Neerer Chochbuech» von Ruth Hüppin Lauber, das 2014 erschien, taucht das Gebäck als «Gmürli» auf. Im Betty-Bossi-Kochbuch «Für Gäste das Beste» von 1983 finden sich praktisch identische «Schokoladewürfel». Hatte Gmür es von dort? Oder wanderte das Rezept von Neerach zu Betty Bossi? Eine eindeutige Spur existiert nicht. Vielleicht stammt das Gmürli aus einer Heimküche. Vielleicht aus der Betty-Bossi-Redaktion. Vielleicht lag es jahrzehntelang in einer Familienrezeptschachtel, die nie jemand öffentlich erwähnte. Sicher scheint nur: Dieses Rezept hat sich verselbstständigt. Es gehört längst niemandem mehr, aber allen ein bisschen.
Und vielleicht erklärt genau das seinen Erfolg. Allein über das Web wird das Rezept über tausend Mal pro Woche heruntergeladen – und vermutlich ebenso häufig gebacken. Ob als Gmürli oder Schokoladenwürfel: Die Herkunft bleibt unklar, der Erfolg eindeutig.
Während sich beim Gmürli die Spur in alten Kochbüchern verliert, ist sie bei Betty Bossi glasklar: Die Werbetexterin Emmi Creola-Maag erfand die Figur in den 1950er-Jahren. Doch auch Betty Bossi löste sich von ihrer Schöpferin und wurde zu Gemeingut. Der Film «Hallo Betty», der zurzeit in den Kinos läuft, erzählt die Geschichte der Schöpferin – und erinnert daran, wie oft die Werke bleiben, während die Namen dahinter verblassen.
Betty Bossi: Erfolgsrezepte gelingsicher seit 1956. Betty Bossi Verlag.
Film: Hallo Betty, zurzeit in den Kinos. Regie: Pierre Monnard.
