Marronikuchen
Backofen auf 180° C vorheizen. Eine Springform (18 cm Ø) mit Backpapier auslegen und buttern. 175 g tiefgekühlte Marroni auftauen lassen und durchs Passevite drehen. 65 g weiche Butter mit 100 g Zucker und dem Mark einer halben Vanilleschote verrühren. 2 Eigelbe dazugeben und cremig rühren. Die gemahlenen Marroni untermischen. 2 Eiweisse mit 1 Prise Salz steif schlagen und vorsichtig unter die Marronimasse heben. Die Masse in die Form füllen und ca. 40 Min. backen. Auskühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen. Quelle: Oliver Baroni, watson.ch
Supplement: Oliver Baroni, langjähriger watson-Autor, pflegt einen eigenwilligen Zugang zu kulinarischen Themen. Mal nähert er sich einem Thema mit hochgezogener Augenbraue des Skeptikers, mal mit der unbedingten Hingabe des Liebhabers.
Diese beiden Facetten zeigen sich wunderbar im Kontrast seiner Texte: Während er den viralen Hype um Dolly Partons angeblich «lebensverändernden» Coleslaw mit ironischer Distanz durchleuchtet, wechselt er beim Marronikuchen nach einem alten Familienrezept die Tonart. Hier weicht die Ironie einer kategorischen Zuneigung: «Eines gleich vorweg: Kein Dessert auf dieser Erde wird je den Kastanienkuchen meiner Grossmutter übertrumpfen können. Vergesst es. Keine Chance.»
Baroni spielt den lauten Superlativ des Internets nicht gegen die stille Tradition aus, sondern rückt die Massstäbe zurecht. Ein «bester» Kuchen muss nicht objektiv die Welt verändern, wie es das Marketing verspricht. Es reicht völlig, wenn er für einen selbst die Welt bedeutet.
Der Kuchen selbst ist das perfekte Abbild dieser Haltung: schlicht, ohne Mehl und auf das Wesentliche reduziert. Er setzt auf Substanz statt auf ästhetische Inszenierung. Ein Rezept, das beweist: Geschmack ist am Ende immer Haltungssache.
